Zwischen Tradition und Teamgeist: Wie moderne Weihnachtsfeiern wirklich gelingen

Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, beginnt in vielen Unternehmen die Planungsphase für die Weihnachtsfeier. Früher war sie oft Pflichtprogramm – heute ist sie eine Chance, den Teamgeist zu stärken und Wertschätzung zu zeigen. Doch wie sieht eine Weihnachtsfeier aus, die zur heutigen Arbeitswelt passt?

Vom Pflichttermin zum Erlebnis

Das klassische Menü im Restaurant mit kurzer Rede der Geschäftsführung hat ausgedient. Viele Mitarbeitende wünschen sich heute mehr als ein festliches Essen – sie wollen gemeinsam etwas erleben. Ob beim Koch-Event, im Escape Room oder bei einem kreativen Workshop: Aktivitäten, die Spaß machen und verbinden, bleiben länger in Erinnerung als jede Tischrede.

Der Rahmen zählt

Auch die Location trägt entscheidend zur Stimmung bei. Statt im üblichen (Hotel-)Restaurant treffen sich Teams heute an Orten mit Charakter: in einer urbanen Eventlocation, in einer Hütte mit Kaminfeuer oder draußen mit Glühwein und Feuerschale. Wichtig ist, dass der Rahmen zur Unternehmenskultur passt – locker, authentisch und mit Raum für echte Begegnungen.

Traditionen bewahren – aber mit Gefühl

Natürlich dürfen klassische Elemente bleiben: eine kleine Ansprache, ein symbolisches Geschenk oder das gemeinsame Anstoßen. Rituale schaffen Vertrautheit – solange sie ehrlich gemeint und nicht bloße Routine sind. Es geht nicht um Perfektion, sondern um Wertschätzung.

Feiern mit Stil

Ein Punkt bleibt zeitlos: Der respektvolle Umgang miteinander. Übermäßiger Alkoholkonsum, unpassende Witze oder allzu private Gespräche sind keine gute Idee. Wer auf Augenhöhe feiert, sorgt dafür, dass der Abend in positiver Erinnerung bleibt – und das Teamgefühl gestärkt wird.

Ein Abend als Dankeschön

Am Ende ist die Weihnachtsfeier vor allem eines: ein herzliches Dankeschön an alle, die das Jahr gemeinsam gemeistert haben. Ob bei Gans und Rotwein oder beim Glühwein unter freiem Himmel – wichtig ist, dass der Abend verbindet, inspiriert und ein gutes Gefühl hinterlässt.

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Vielen Dank an meine Kollegin Maria Th. Radinger, die für unser Netzwerk Etikette Trainer International diesen Beitrag geschrieben hat.

Redaktion: Maria Th. Radinger, Guter Stil und Etikette in Tourismus, Hotellerie & Wirtschaft; Imme Vogelsang, iv-imagetraining

Feedback geben und nehmen – ein unterschätzter Erfolgsfaktor

von Catherine Tenger | 5. August 2025

„Wie Sie Feedback geben (und morgen trotzdem noch einen Job haben)“ – so heisst die neue, hörenswerte Folge des Podcasts Geht da noch was? von ZEIT Online.
Ein Thema, das mich als Kommunikationstrainerin natürlich sofort packt – nicht zuletzt, weil ich selbst schon zweimal als Gesprächspartnerin der wunderbaren Rose Tremlett im Podcast mitwirken durfte und die Mischung aus Tiefgang und Leichtigkeit in diesem Format sehr schätze. (Link zur Folge am Ende des Beitrags)

In der aktuellen Folge sprechen Lisa Hegemann und Rose darüber, wie man im Job ehrliches Feedback gibt, ohne das Miteinander zu gefährden – und warum es sich lohnt, die Kunst des Feedbacks zu üben.

Was mich besonders freut: Die Episode zeigt praxisnah, wie entscheidend Feedback für unsere beruflichen Beziehungen ist – ein Thema, das ich auch in meinen Trainings immer wieder mit Teams, Führungskräften und Berufseinsteigenden vertiefe.


Feedback geben – klar, konstruktiv, respektvoll

Gutes Feedback ist wie ein Kompass: Es hilft anderen, sich zu orientieren, ohne ihnen den Weg vorzuschreiben. Wer Feedback gibt, übernimmt Verantwortung – nicht nur für den Inhalt, sondern auch für den Ton.

Hier ein paar Grundprinzipien:

  • Konkret statt allgemein: „In der Präsentation heute hast du klar strukturiert und ruhig gesprochen“ wirkt hilfreicher als „Du machst das immer gut.“
  • Beobachtung statt Bewertung: Beschreiben, was man gesehen oder gehört hat – nicht interpretieren oder urteilen.
  • Ich-Botschaften statt Du-Angriffe: „Ich habe mich irritiert gefühlt, als…“ statt „Du hast schon wieder…“
  • Zeitnah und im richtigen Rahmen: Feedback wirkt am besten, wenn es frisch ist – und in einer Atmosphäre, die Vertrauen zulässt.

Feedback annehmen – neugierig statt defensiv

Wer Feedback erhält, hat die Chance, blinde Flecken zu erkennen und sich weiterzuentwickeln. Doch oft schlägt das Ego Alarm: „War das jetzt ein Angriff?“

Ein paar Gedanken, die helfen können:

  • Zuhören, ohne sofort zu kontern: Auch wenn es unbequem ist – erst einmal durchatmen und nachfragen, falls etwas unklar bleibt.
  • Nicht alles persönlich nehmen, aber ernst: Feedback ist eine Perspektive – kein Urteil über den ganzen Menschen.
  • Sich bedanken – auch für kritische Hinweise: Wer uns Feedback gibt, nimmt sich Zeit und traut uns Entwicklung zu.
  • Sortieren, was passt: Nicht jedes Feedback muss übernommen werden. Aber jedes verdient, geprüft zu werden.

Feedbackkultur braucht Mut und Übung

In einer konstruktiven Feedbackkultur ist Feedback kein Ausnahmezustand, sondern Teil des Miteinanders. Es ist normal, sich Rückmeldung zu holen – und ebenso normal, sie zu geben. Das braucht Mut, Vertrauen und eine Haltung, die Entwicklung erlaubt. Fehler und blinde Flecken sind nicht peinlich, sondern Potenzial.

Ob im Team, im Training oder im privaten Umfeld: Wer Feedback als Geschenk versteht – klar verpackt, ehrlich überreicht, offen angenommen –, legt den Grundstein für echtes Wachstum.


Tipp zum Schluss:

Probieren Sie es diese Woche bewusst aus – ein Feedback geben und eines annehmen. Vielleicht mit einem Satz wie:
„Darf ich dir eine Rückmeldung geben?“
Oder:
„Ich würde gern wissen, was dir an meinem Beitrag aufgefallen ist, das bei der Entwicklung hilfreich wäre.“
Kleine Gesten wie diese können viel bewegen.


Lust auf mehr?

In meinen Workshops trainieren wir das Geben und Nehmen von Feedback ganz konkret: praxisnah, wertschätzend – und mit einer Portion Humor. Ob für Teams, Führungskräfte oder Berufseinsteiger: Eine konstruktive Feedbackkultur bringt alle weiter.
👉 Hier geht’s zu meinem Angebot oder schreiben Sie mir direkt – ich freue mich auf Ihre Anfrage!

🎧 Hier geht’s direkt zur Podcastfolge von ZEIT Online

Empfehlung statt Eigenwerbung: Warum Sie sich von anderen vorstellen lassen sollten

von Catherine Tenger | 7. März 2025

Stellen Sie sich vor, Sie betreten einen Raum voller neuer Gesichter. Eine Netzwerkveranstaltung zum Beispiel, oder ein Meeting, in dem Sie die aktuelle Marktanalyse präsentieren sollen. Noch bevor Sie sich selbst vorstellen können, sagt eine vertraute Person: „Das ist Julia Meier – eine tolle Strategin, die für komplexe Probleme immer kreative Lösungen findet.“ Wie würden Sie sich fühlen? Wahrscheinlich geschmeichelt – und gleichzeitig erleichtert, dass Sie sich nicht selbst loben mussten.

Wir alle wissen: Selbstbewusstsein ist wichtig, doch wer sich selbst anpreist, läuft Gefahr, arrogant zu wirken oder sich unter Wert zu verkaufen. Deshalb lohnt es sich, anderen das Wort zu überlassen. Eine Vorstellung durch eine dritte Person hat eine ganz andere Wirkung – vor allem, wenn diese bereits das Vertrauen der Anwesenden geniesst.

Was die ersten Worte bewirken

Wenn Sie jemanden vorstellen, überlegen Sie sich kurz, was Sie über sie sagen möchten. Damit tun Sie nicht nur ihr einen Gefallen, auch Sie selbst wirken kompetenter und souveräner. Statt „Lisa arbeitet in der Marktforschung – sie hat im Februar bei uns angefangen.“, sagen Sie doch mal „Lisa ist eine Analystin der inspirierenden Sorte – wir erleben sie sehr innovativ, strategisch und vernetzt denkend. Sie passt perfekt in unser Team“

Beide Beschreibungen können zutreffen, doch die Wortwahl beeinflusst, welches Bild im Kopf entsteht.

Vertrauen und Authentizität

Nutzen Sie die Chance, sich von jemandem vorstellen zu lassen, der Ihre Stärken betont – und vielleicht sogar Facetten zeigt, die Sie selbst übersehen würden. Eine ehrliche, wohlwollende Vorstellung zeigt nicht nur, was Sie können – sie macht Sie auch als Persönlichkeit greifbarer und authentischer. Das schafft nicht nur Sympathie, sondern öffnet auch Türen zu neuen Möglichkeiten.

Beim nächsten wichtigen Gespräch oder Netzwerktreffen: Warten Sie einen Moment, treten Sie nicht sofort selbst ins Rampenlicht – lassen Sie stattdessen jemand anderen die Bühne für Sie bereiten. Sollte das nicht passieren, können Sie sich immer noch selbst vorstellen.  Und wenn Sie die vorstellende Person sind, helfen Sie anderen, indem Sie sie ins rechte Licht rücken. Denn oft macht genau das den entscheidenden Unterschied.


Suchen Sie übrigens ein gutes Buch zum Thema Networking? „Friend of a friend“ von David Burkus (derzeit nur auf englisch verfügbar) kann ich sehr empfehlen!

Personal Branding im neuen Job: Wie der Circle of Influence Ihnen hilft, den Einstieg im neuen Unternehmen positiv zu gestalten

von Catherine Tenger | 7. Januar 2025

Für viele Menschen beginnt mit dem Januar nicht nur ein neues Jahr, sondern auch ein neuer Job. Der erste Eindruck im neuen Unternehmen ist entscheidend, doch genauso wichtig ist die Frage: Wie etabliere ich mich langfristig im neuen Umfeld und wofür möchte ich bekannt sein?

Eine hilfreiche Methode, um sich bewusst mit dem Aufbau der eigenen Marke zu befassen, ist das Konzept des Circle of Influence. Es hilft dabei, den Fokus auf das zu richten, was wir wirklich beeinflussen können – und damit die eigene Wirkung zu verstärken.

Der Circle of Influence kurz erklärt

Der Circle of Influence ist ein von Stephen Covey entwickeltes Konzept, das er in seinem Buch The 7 Habits of Highly Effective People beschreibt.

Dabei gibt es einen grossen, äusseren Kreis:

  • Circle of Concern: Dinge, die uns beschäftigen, besorgen und betreffen, die wir aber nicht beeinflussen können – wie externe Umstände, die Unternehmenspolitik, die Wirtschaftslage oder die Meinung anderer.

Und einen kleineren, inneren Kreis:

  • Circle of Influence: Dinge, die wir indirekt mit unseren Handlungen beeinflussen können – wie Netzwerken, Vertrauen aufbauen, Kommunikation und Wahrnehmung, wie andere eine Beziehung zu uns erleben, unser Ruf.

Später wurde der ursprüngliche Circle of Influence mit einem dritten, innersten Kreis ergänzt:

  • Circle of Control: Dieser Kreis umfasst alles, was wir vollständig und direkt selbst steuern können – unsere Worte, Handlungen und Entscheidungen oder wie wir mit einer Situation umgehen. Es ist der Bereich, der komplett in unserer eigenen Verantwortung liegt.

Gerade wenn man neu in Unternehmen eintritt, steht man vor der Herausforderung, seinen Platz zu finden und sich einen Namen zu machen. Dabei sollte man seine Energie gezielt nur auf die zwei inneren Kreise konzentrieren, also auf Dinge, die man wirklich beeinflussen oder kontrollieren kann:

Circle of Control maximieren

Überlegen Sie, was Sie direkt steuern können und bereiten Sie sich auch darauf vor, zum Beispiel:

  • Ihre Vorstellung im Team: Wie stellen Sie sich vor? Welche Botschaft möchten Sie vermitteln?
  • Ihre Kommunikation: Wie präsentieren Sie sich in Meetings? Welche Themen bringen Sie ein?
  • Ihr Auftreten: Kleidung, Körpersprache, Format, Authentizität – all das trägt zu Ihrem Image bei.

Circle of Influence erweitern

Überlegen Sie, wie Sie die Wahrnehmung anderer prägen oder Ihren Wirkungskreis indirekt ausdehnen können. Im Unternehmenskontext bedeutet das zum Beispiel:

  • Beziehungen pflegen: Gehen Sie aktiv auf Kolleginnen und Kollegen zu, zeigen Sie Interesse und Engagement. Bleiben Sie in Stresssituationen freundlich, auch zu denjenigen, die oft im Hintergrund bleiben. Kleine Gesten der Hilfsbereitschaft wirken nachhaltig.
  • Wissen teilen: Teilen Sie Ihre Expertise in Meetings oder in informellen Gesprächen.
  • Sichtbarkeit erhöhen: Seien Sie präsent, aktiv und authentisch – so werden Sie als zuverlässige, kompetente Person wahrgenommen.

Circle of Concern minimieren

Verschwenden Sie keine Energie und persönliche Strahlkraft auf Dinge, die Sie nicht beeinflussen können, also alles, was sich im Circle of Concern befindet– wie beispielsweise die allgemeine Stimmung im Unternehmen oder politische Entscheidungen oder das Verhalten anderer Menschen.

Personal Branding beginnt im Circle of Control

Der Aufbau Ihrer persönlichen Marke im neuen Unternehmen beginnt dort, wo Sie die volle Kontrolle haben. Indem Sie bewusst an Ihrem Ruf, Ihrem Auftreten, Ihrer Kommunikation und Ihren Beziehungen arbeiten. Ich wünsche Ihnen einen guten Start und viel Erfolg!

Zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit – Ein Generationendialog über Pünktlichkeit

Pünktlichkeit ist eine Tugend, die in der Geschäftswelt traditionell hoch geschätzt wird. Doch wie verändert sich unsere Wahrnehmung, wenn jüngere Generationen mit neuen Prioritäten und Arbeitsweisen die Bühne betreten? Das Thema „Pünktlichkeit“ ist mehr als eine Frage des Timings – es ist ein Spiegel unserer Werte, unseres Respekts füreinander und unserer Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Lebensentwürfe.

In meinem Beruf als Kommunikationstrainerin beobachte ich immer wieder, wie kulturelle und generationsbedingte Unterschiede unser Miteinander prägen. Was für die einen als Ausdruck von Zuverlässigkeit gilt, kann für andere eher eine starre Konvention sein, die Kreativität und Flexibilität einschränkt. Besonders spannend finde ich, wie stark solche Differenzen bei der Zusammenarbeit zwischen Generationen ins Gewicht fallen.

Dieser Artikel in der Handelszeitung beleuchtet das Thema aus einem aktuellen Blickwinkel. Es geht um die Frage, wie Pünktlichkeit – oder das Fehlen derselben – in der jungen Generation wahrgenommen wird und welche Konsequenzen dies für die Arbeitswelt hat. Dabei wird deutlich, dass das Thema weit mehr ist als ein simpler Verstoss gegen die Etikette: Es ist eine Einladung, unser Verständnis von Arbeitskultur und Kommunikation zu hinterfragen.

In meinen Trainings ermutige ich meine Teilnehmenden dazu, sich bewusst mit solchen Themen auseinanderzusetzen. Wie gehen wir mit unterschiedlichen Erwartungshaltungen um? Wo ist Flexibilität sinnvoll, und wo wird Verlässlichkeit zum entscheidenden Faktor für Vertrauen? Es sind genau diese Fragen, die dazu beitragen können, eine Brücke zwischen den Generationen zu schlagen und die Zusammenarbeit auf eine neue Ebene zu heben.

Der Artikel gibt spannende Denkanstösse und passt perfekt zu meinem Ansatz, Kommunikation und Zusammenarbeit nicht als starres Regelwerk, sondern als lebendiges Zusammenspiel von Perspektiven zu betrachten.

Was bedeutet „professionelles Verhalten“ eigentlich heutzutage?

Die Definition von „professionellem Verhalten“ hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten spürbar gewandelt. Während früher gemäss Business Knigge Hierarchien, formale Kleidung und eine gewisse Distanz selbstverständlich waren, prägen heute in Zeiten von New Work Authentizität, emotionale Intelligenz und Teamfähigkeit die Vorstellungen von Professionalität. Doch was bedeutet das konkret? Und welche Grenzen bleiben auch in einer lockeren Arbeitskultur bestehen? Darüber hat sich Entwicklungsredakteurin Rose Tremlett für die neue Folge des ZEIT-ONLINE Optimierungspodcasts „Geht da noch was“ mit mir ausgetauscht.

Herzlichen Dank für das Interview, es war mir wieder eine grosse Freude, mitwirken zu dürfen!

Viel Spass und Inspiration beim Hören!

Mehr als ein Jobtitel: Wie Sie durch das „Genau“ lebendige Gespräche schaffen

von Catherine Tenger | 29. Oktober 2024

Was GENAU machst du beruflich?

Diese Frage, in dieser Form, hören wir selten. Mit Betonung auf genau. Doch vielleicht sollten wir sie viel öfter so stellen – und vor allem beantworten. Ohne dieses kleine Wörtchen „genau“ bleiben viele Antworten unklar, oft sogar ein wenig belanglos. In der Regel greifen wir auf Titel oder allgemeine Berufsbezeichnungen zurück, und damit hat sich das Gespräch meist schon erledigt. Keine lebendige Diskussion, kein tiefergehender Austausch, und das Interesse flaut schnell ab.

Aber warum ist das so? Weil wir uns daran gewöhnt haben, unseren Beruf kurz und knapp zu umreißen, ohne darauf einzugehen, was wir daran eigentlich mögen oder was uns motiviert. Versuchen Sie es doch einmal anders: Wie würden Sie jemandem Ihren Beruf beschreiben, der nicht mit Ihrer Branche, Ihrem Unternehmen oder Fachgebiet vertraut ist? Was genau fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit? Welche Momente sind es, die Sie motivieren und die Ihnen Freude bereiten?

Spannend wird es nämlich, wenn wir Titel und Fachbegriffe beiseitelassen und stattdessen erzählen, warum wir uns für diesen Weg entschieden haben oder welche Erfahrungen uns geprägt haben. Wenn wir uns auf das „Warum“ und „Wie“ konzentrieren, entstehen lebendige, interessante Gespräche – und unser Gegenüber behält uns eher in Erinnerung.

Zwei Beispiele aus der Praxis: Wenn jemand sagt, „Ich arbeite in der Unternehmensberatung“, ist die Information begrenzt. Der Gesprächspartner hört es, nickt, aber kann selten viel damit anfangen. Wenn diese Person jedoch eine Konversation beginnt und sagt: „Nach dem Klischee bin ich eine „Problem-Erfinderin“ – so nennt man uns Beraterinnen ja gerne. Aber für mich ist der Job sehr spannend: Ich mag es, zu tüfteln und Lösungen zu finden. Ich liebe es, Dinge wie Fahrräder oder Kaffeemaschinen auseinanderzunehmen, wieder zusammenzusetzen und herauszufinden, wie man sie noch besser machen kann.“ – dann bleibt genau das haften. Die Freude am Job und das Engagement für den Beruf spiegeln sich in der Antwort, und das Gespräch öffnet sich. Oder anstatt „Ich bin Rhetorik-Coach“ könnte man sagen: „Ich helfe anderen dabei, ihre eigene Stimme zu finden und klarer mit ihrem Umfeld zu kommunizieren, und das ist für viele Menschen ein regelrechter Aha-Moment“. So entsteht sofort ein Bild im Kopf. Solche Beschreibungen machen Berufe greifbarer, erzeugen Sympathie und laden dazu ein, genauer nachzufragen.

Also, lassen Sie uns öfter etwas offener auf die Frage „Was machst du beruflich?“ eingehen. Es braucht ein wenig Übung und vielleicht etwas Mut, sich auf das persönliche „Warum“ einzulassen, doch genau darin liegt der Unterschied. Und wenn das Gespräch weitergeht, haben wir alle Zeit der Welt, unsere Kompetenzen ins Spiel zu bringen.

P.S. Falls einer der 66 Millionen Views von Simon Sineks TEDx Talk Start With Why von Ihnen stammt, wissen Sie, wovon ich spreche. Falls nicht: Das können Sie ändern. Die knapp 18 Minuten lohnen sich.

Der Stoff, aus dem erfolgreiche Geschäftsbeziehungen gemacht sind: Empathie

von Catherine Tenger | 6. Juni 2024

Die meisten Menschen sind sich einig, dass Empathie eine Schlüsselkompetenz ist. Sich in die Lage eines anderen versetzen zu können, fördert stärkere Beziehungen, Verständnis und Toleranz. Während dies bei der besten Freundin oft leicht fällt, scheint es in einer geschäftlichen Umgebung und bei Menschen, die einem nicht so nahe stehen, schwieriger zu sein. Eine Führungskraft sagte neulich zu mir: „Wenn ich jedes Mal mitheulen würde, wenn es einem Mitarbeitenden schlecht geht, käme ich zu gar nichts mehr. Ich habe schon so genug zu tun.“

Dabei verbessert der Einsatz emotionaler Intelligenz nicht nur die Führungsqualität eines Vorgesetzten – Empathie fördert ebenso die Arbeit im Team und steigert nachweislich den Geschäftserfolg.

Wie genau sieht Empathie aus, wie kann man sie trainieren, verbessern und auch unter Stress beibehalten? Dazu folgend einige Tipps.

Der Unterschied zwischen emotionaler und kognitiver Empathie

Zunächst einmal: Empathisch zu sein bedeutet nicht gleich, mit der anderen Person zu weinen! Empathie ist die Fähigkeit, die Gefühle und Gedanken anderer Menschen zu erkennen und zu verstehen. Dabei wird zwischen emotionaler und kognitiver Empathie unterschieden.

Emotionale Empathie bedeutet, dass wir die Emotionen anderer Menschen mitempfinden können. Wenn jemand traurig ist, fühlen wir uns auch traurig. Diese Form der Empathie ist tief verwurzelt und kommt oft automatisch.

Kognitive Empathie hingegen bezieht sich auf die Fähigkeit, die Perspektive einer anderen Person einzunehmen und ihre Gedanken und Gefühle zu verstehen, ohne sie notwendigerweise selbst zu fühlen. Es geht darum, sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen und ihre Sichtweise nachzuvollziehen.

Warum ist kognitive Empathie wichtig?

Im Geschäftsalltag ist die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme oft hilfreicher als die emotionale Empathie. Sie fördert effektive Kommunikation, stärkt Beziehungen und ermöglicht es uns, bessere Entscheidungen zu treffen. Man kann zum Beispiel die Euphorie eines Kollegen über einen aktuellen Erfolg nachvollziehen und sich mitfreuen, aber mit klarem Kopf über die nächsten Schritte nachdenken. Ein Teammitglied in Not hat mehr davon, wenn ihm geholfen wird, als dass man gemeinsam über die stressbewirkende Situation oder Person klagt und dann zusammen doppelt Stress hat. Eine Führungskraft, die die Perspektive ihrer Mitarbeitenden versteht, kann besser auf deren Bedürfnisse eingehen und die Arbeitszufriedenheit erhöhen. Eine Verkäuferin, die sich in die Lage des Kunden versetzt, kann gezielter auf dessen Wünsche und Bedenken eingehen und dadurch erfolgreicher verkaufen.

Herausforderungen bei der Perspektivenübernahme

Trotz der offensichtlichen Vorteile gibt es verschiedene Faktoren, die es schwierig machen können, die Perspektive anderer einzunehmen:

– Egozentrismus: Menschen neigen dazu, ihre eigenen Sichtweisen und Erfahrungen als zentral zu betrachten, was die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme beeinträchtigen kann.

– Unbewusste Vorurteile: Vorurteile und Stereotype können unsere Wahrnehmung anderer verzerren und es erschweren, ihre Perspektive objektiv zu verstehen.

– Emotionale Distanz: In stressigen oder konfliktreichen Situationen kann es besonders schwerfallen, empathisch zu reagieren, da eigene negative Emotionen dominieren.

– Mangelnde Informationen: Wenn wir nicht genug über die Situation oder die Hintergründe einer Person wissen, können wir ihre Perspektive nur schwer nachvollziehen.

Die Empathiefähigkeit schärfen

Glücklicherweise gibt es Möglichkeiten, Empathie und die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme zu stärken. Studien haben gezeigt, dass zum Beispiel das Lesen von Büchern, insbesondere von Romanen, die Fähigkeit zur Empathie fördern kann. Geschichten ermöglichen es uns, in die Welt anderer Menschen einzutauchen und ihre Perspektiven nachzuvollziehen.

Aktives Zuhören ist eine der effektivsten Methoden, empathisch zu handeln. Dabei geht es nicht nur darum, die Worte des Gegenübers zu hören, sondern auch deren Gefühle und Gedanken durch offenes Fragen und Paraphrasieren zu verstehen und die eigenen Interpretationen zu überprüfen.

Man kann der Sache aber auch etwas analytischer auf den Grund gehen: Mit einer Empathy Map muss man sich nicht alleine auf sein Gefühl verlassen, sondern kann im Team oder auch allein die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme verbessern. Mit diesem Tool können Sie ermitteln, wie Ihre Zielgruppe oder eine Person denkt, fühlt und handelt. Beantworten Sie hierzu folgende Fragen:

– Wer ist die Person oder Zielgruppe, die Sie verstehen möchten? In welcher Situation sind sie? Was ist ihre Rolle in dieser Situation?

– Was sollen sie (anders) tun? Welche Entscheidungen müssen sie treffen? Wie wissen sie, dass sie erfolgreich waren?

– Was sehen sie? Was sehen sie in ihrer direkten Umgebung? Was sehen sie, was andere tun? Was lesen sie?

– Was sagen sie? Was haben wir sie sagen hören? Was können wir uns vorstellen, dass sie anderen erzählen?

– Was machen sie? Welches Verhalten beobachten wir?

– Was hören sie? Was hören sie andere sagen? Was hören sie von KollegInnen? Was hören sie aus zweiter Hand?

– Was denken und fühlen sie? Worüber sind sie frustriert? Was bereitet ihnen Sorgen? Was sind ihre Wünsche, Bedürfnisse und Hoffnungen?

Auch wenn Sie diese Fragen ChatGPT in Auftrag geben können und sicherlich plausible Antworten bekämen (ich habe es getestet), bleibt echte, von Menschen empfundene Empathie – emotionale und kognitive – für die KI unerreichbar. Empathie erfordert echte Emotionen, kontextuelles Verständnis, Lernen durch persönliche Erfahrungen, Authentizität und die Fähigkeit, moralische Entscheidungen zu treffen. Daher wird der zwischenmenschliche Kontakt, auf dem echte Empathie basiert, immer eine zentrale Rolle in unserem privaten und geschäftlichen Leben spielen.

Eingangs erwähnter Führungskraft sei daher empfohlen, die Künstliche Intelligenz für alle ihr zugedachten Arbeiten einzusetzen und die dadurch gewonnene Zeit in die Emotionale Intelligenz zu investieren. Empathisches Verhalten erzeugt nämlich meist eine positive Rückkopplung: Wer sich bemüht, andere zu verstehen, erhält in der Regel Dankbarkeit und Wertschätzung zurück. Wer sich verstanden und respektiert fühlt, ist meistens bereit und fähig, mehr zu leisten. Win-Win.

Geschäftsessen: Wissende Gastgeber und stilvolle Gäste

von Catherine Tenger | 31. Januar 2024

Geschäftsessen sind mehr als blosse Mahlzeiten. Sie sind eine Form der zwischenmenschlichen Kommunikation, eine Brücke zwischen formellen Begegnungen und persönlichen Beziehungen – und eine Art sozialer Klebstoff. Hier werden Verbindungen geknüpft, Vertrauen aufgebaut und informelle Gespräche ermöglicht, die oft die Basis für erfolgreiche Geschäftsbeziehungen bilden.

Die Wahl des Restaurants, die Sitzordnung, die Etikette und die Gespräche bei Tisch – all diese Elemente spielen eine entscheidende Rolle, um eine positive Atmosphäre zu schaffen, die sowohl professionell als auch persönlich ist. Erfahren Sie hier, wie Ihr Geschäftsessen am besten gelingt.

Die Kunst des Gastgebens: Wer vorbereitet, gewinnt

Hier sind einige Tipps, die Ihnen dabei helfen, bei Einladungen ins Restaurant stets eine hervorragende Gastgeberin oder ein hervorragender Gastgeber zu sein – gleichgültig, ob es sich um ein elegantes Gourmetrestaurant oder eine gemütliche Gastwirtschaft handelt.

1. Den Grund der Einladung kommunizieren: Seien Sie von Anfang an transparent, warum Sie Ihren Gast eingeladen haben. Ob es darum geht, jemandem etwas Gutes zu tun oder ein bestimmtes Geschäftsthema zu besprechen – klare Kommunikation ist die Basis für eine entspannte Begegnung. Übernehmen Sie als Gastgeber oder als Gastgeberin die Führung und leiten Sie bei Bedarf vom geselligen Teil des Treffens zum geschäftlichen Teil über.

2. Keine Experimente: Verlassen Sie sich bei der Wahl des Restaurants auf Bekanntes. Denn erfahrene Gastgeber wissen, wie es um die Akustik dort steht und welche kulinarischen Highlights auf der Speisekarte zu finden sind – und können so die Führung übernehmen.

3. Früh erscheinen: Gehen Sie etwas früher ins Restaurant, um den Tisch anzuschauen und das Servicepersonal freundlich zu begrüssen. Diese kleine Geste schafft nicht nur eine positive Atmosphäre, sondern führt in den meisten Fällen zu einem noch besseren Service. Sie können dabei auch einige organisatorische Details schon im Voraus klären, wie zum Beispiel die Art der Rechnung, ob man Ihnen bei der Weinauswahl behilflich sein soll und ob Sie zeitlich eingeschränkt sind. Klare Absprachen im Vorfeld ermöglichen es Ihnen, sich während des Treffens voll und ganz auf Ihre Gäste zu konzentrieren.

4. Gut platzieren: Überlegen Sie beim Anschauen des Tisches schon einmal, wie Sie sich und Ihre Gäste platzieren. Ihr eigener Platz sollte strategisch so gewählt sein, dass Sie jederzeit Blickkontakt zum Servicepersonal aufnehmen können. Ansonsten gehört der beste Platz Ihrem Gast – der mit der schönsten Aussicht, der am einfachsten zugängliche oder der bequemste.

5. Stilsicher bestellen: Helfen Sie ihren Gästen bei der Menüauswahl, indem Sie Empfehlungen aussprechen und sagen, was Sie selbst essen werden. So erhalten Ihre Gäste Hinweise bezüglich des Rahmens und der Anzahl der Gänge. Ausserdem bestellen und verkosten Sie den Wein – ausser Sie sind sich sicher, dass sich ihr Gast sehr gut mit Weinen auskennt  – dann sollten sie aber besser nicht an ein Budget gebunden sein.

6. Klasse beweisen: Behandeln Sie nicht nur Ihre Gäste wertschätzend, sondern auch das Servicepersonal. Das zeugt von Format.

Die Kunst des Gastseins: Empathie und Charakter  

Wie man sich als perfekte Gastgeberin oder perfekter Gastgeber verhält, ist ein oft diskutiertes Thema – dabei haben Gäste oft genauso viele Fragen. Hier finden Sie einige Anregungen.

Was Sie vermeiden sollten:

  1. Zu früh erscheinen: Pünktlichkeit ist wichtig. Aber es ist besser, nicht zu früh anzukommen. Planen Sie Ihre Ankunft so, dass Sie nicht vor der vereinbarten Zeit im Restaurant erscheinen. Dies gibt dem Gastgeber die Gelegenheit, letzte Vorbereitungen zu treffen.
  2. Sich verselbstständigen: Ähnlich wie bei privaten Einladungen sollten Sie im Restaurant nicht eigenmächtig agieren. Bestellen Sie keine zusätzlichen Gerichte oder Wein, und rufen Sie nicht eigenständig die Servicefachkraft an den Tisch.
  3. Die Einladung kapern: Auch wenn Sie möglicherweise höhergestellt sind: Widerstehen Sie dem Drang, die Kontrolle übernehmen zu wollen. Überlassen Sie dem Gastgeber oder der Gastgeberin die Führung, und akzeptieren Sie grosszügig die Einladung.

Was Sie zu einem vorbildlichen Gast macht:

  1. Die richtige Mischung aus Höflichkeit und Charakter: Die besten Gäste sind oft selbst erfahrene Gastgeber, da sie die Dynamik verstehen. Ein guter Gast ist höflich, respektvoll und zeigt gleichzeitig Persönlichkeit. Er bereichert die Tischgesellschaft, ohne sie zu überfordern.
  2. Seien Sie unkompliziert: Zeigen Sie sich entscheidungsfreudig, insbesondere bei der Auswahl der Speisen. Studieren Sie wenn möglich im Voraus das Menu online, um schneller zu entscheiden. Wenn Sie unsicher, aber unkompliziert sind, können Sie sich auch der Wahl des Gastgebers anschliessen.
  3. Wertschätzung ausdrücken: Bedanken Sie sich im Anschluss an das Essen auf persönliche und individuelle Weise. Loben Sie die Restaurantwahl, erwähnen Sie interessante Gesprächspunkte und zeigen Sie Wertschätzung für die gemeinsame Zeit. Persönliche und individuelle Rückmeldungen bleiben in Erinnerung.

Bei einem Geschäfts-Lunch oder -Dinner geht es um mehr als das Essen

Gemeinsame Essen bieten die Gelegenheit, mehr über die Personen, die Werte, das Unternehmen, die Kultur und die Interessen der anderen zu erfahren. In vielen Kulturen ist es üblich und sinnvoll, erst nach dem Hauptgang über das Geschäft zu reden. Bis dahin ist guter Small Talk gefragt, denn schon der amerikanische Schauspieler Walter Matthau hat erkannt: „Für ein gutes Tischgespräch kommt es nicht so sehr darauf an, was sich auf dem Tisch, sondern was sich auf den Stühlen befindet.“

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