Ist Lästern im Betrieb schädlich oder sogar hilfreich?

„Es ist nur ein dummes Gerücht, aber …“

Kaffeeküche, Kantine, Kopierraum und Rauchbereich sind im Unternehmen Basare für Klatsch und Tratsch, für Gerede und Gerüchte. Lästern hat ein schlechtes Image. Sogleich denken wir an infame Mitmenschen, die bösartig hinter dem Rücken anderer über sie herziehen. Wissenschaftler:innen sagen nun, dass Lästern zu Unrecht diesen miesen Ruf hätte. Vielmehr halte es die Gesellschaft zusammen. Tratsch sei gar das Fundament unseres Daseins, so Evolutionspsychologe Robin Dunbar.
 
Auch bei indigenen Völkern, die sehr traditionell leben, stießen Anthropologen auf reichlich Tratsch-Geschichten. Wahrscheinlich pflegen Menschen schon seit der Steinzeit diesen Austausch.
 
Wir alle tratschen
Ob wir abends den Arbeitstag Revue passieren lassen, anderen voller Stolz von unseren Kindern erzählen oder einen sportlichen Zwischenfall kommentieren, wir bewerten – lästern also. Psychologin Myriam Bechtoldt, Professorin an der European Business School (EBS), und andere Forschende sind sich sicher: „Es ist an der Zeit, sich mit dem Phänomen des Lästerns und dem Image einer Plaudertasche auszusöhnen.“ 
 
So gern wir uns über andere unterhalten, so unsicher sind wir uns über den eigenen Ruf. Aber auf den sollten wir achten. Wer selbst nicht die nobelste Person ist, kann damit rechnen, dass sich das Fehlverhalten durch Lästern rasch verbreitet – und damit das eigene Ansehen lädiert wird. Und ein schlechtes Image möchte niemand haben. Jede Person fühlt sich also bei ihrem eigenen unsozialen Benehmen beobachtet und wird das Möglichste tun, um ihren eventuell schlechten Ruf zu reparieren.
 
„Es ist extrem wichtig für uns, Informationen über andere zu erhalten, damit wir wissen, wie wir uns der Person gegenüber verhalten sollen. Wir wollen es unbedingt richtig machen“, erklärt Bechtoldt. Dass Menschen miteinander klatschen, macht uns zu verträglicheren Zeitgenossen. Fachleute sind sich darüber einig, dass die meisten Menschen mit ihrem Getratsche anderen nicht schaden wollen.
 
Beweggründe für Gerede sind vielfältig

  • Zwei Drittel unserer Unterhaltungen drehen sich um private Beziehungen, persönliche Vorlieben und Abneigungen sowie das Verhalten anderer.
  • Ein topaktueller Flurfunk lässt Prozesse reibungsloser funktionieren.
  • Wir tratschten, um Informationen über andere zu sammeln oder auch das eigene Weltbild mit weiteren Personen abzugleichen. Gespräche ermöglichen, sich in der Gesellschaft zu verorten.
  • Lästern verbindet. Wenn wir uns über XYZ unterhalten, dann stellt das auch eine Beziehung zwischen uns und den Zuhörenden her.
  • Zudem warnen und schützen wir oft mögliche Leidtragende, indem wir von eigenen unschönen Erfahrungen mit XYZ berichten.
  • Über Vorgesetzte wird überdurchschnittlich viel getuschelt. Das Team will wissen, wie Personen, die Macht ausüben, ticken.
  • Zweifellos gibt es auch Menschen, die mit Vorliebe abwertend über andere reden, um deren Ruf zu schädigen. 

 
Das einzig probate Gegenmittel sei nicht ein Lästerverbot, sondern eine transparente Feedback-Kultur, so Bechtoldt. Die idealen Voraussetzungen für versteckte Intrigen sind immer dort zu finden, wo es keine brauchbare Kritik-Kultur gibt.
 
Das Fazit nach Evolutionspsychologe Dunbar: Lästern ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft und sehr wichtig für den Zusammenhalt. Doch damit dieser Kleister keine unschönen Stellen hinterlässt, muss er mit Sorgfalt und in Maßen eingesetzt werden.

Redaktion: Susanne Helbach-Grosser, TAKT & STIL, Imme Vogelsang, iv-imagetraining

Vielen Dank an meine Kollegin Susanne Helbach-Grosser, die für unser Netzwerk Etikette Trainer International diesen Beitrag geschrieben hat.


ETI ist ein Zusammenschluss von internationalen Etikette Trainern, die gesellschaftliche Entwicklungen diskutieren, mit traditionellen Formen vergleichen und gegebenenfalls neue Standards setzen. Diese Empfehlungen werden in Seminaren, Pressegesprächen und Veröffentlichungen transportiert. Alle Mitglieder haben eine qualifizierte Ausbildung im Bereich Umgangsformen, Hotellerie, Gastronomie oder Protokoll und bilden sich ständig weiter. Dieses Netzwerk von Spezialisten steht für Aktualität, Kompetenz und Qualität.

Wie ging das doch noch?

von Catherine Tenger | 31. Oktober 2021

Persönliche Begegnungen sind Schmierstoff für unsere Beziehungen – egal ob mit Kunden, Arbeitskollegen oder Freunden. Man ist aber etwas eingerostet, wie ich feststelle. Wir haben nämlich gemerkt, wie effizient es sein kann, Meetings virtuell abzuhalten. Wir finden es sehr nützlich, die Kamera in einer grösseren Runde ausschalten zu können. Und viele haben mit der Pandemie entdeckt, dass es sehr gemütlich sein kann, sich einzuigeln und gar niemandem über den Weg zu laufen.

Die direkte Begegnung mit anderen Menschen ist aber eine echte Chance, einen Unterschied zu machen, Beziehungen wachsen zu lassen oder zu erhalten, in Erinnerung zu bleiben, etwas zu bewegen und andere für sich zu gewinnen.

Also wie ging das nochmal mit dem guten Umgang und der sozialen Intelligenz?

Freundlichkeit

Für Freundlichkeit gibt es keine Konventionen oder Regeln. Freundlichkeit ist Einstellungssache. Man ist anderen gegenüber wohlgesinnt und gewillt, das Gute in ihnen zu sehen. Freundliche Menschen sind aufmerksam, hilfsbereit, zugewandt, ehrlich interessiert und einnehmend. Sie denken darüber nach, wie sich andere in ihrer Gegenwart oder in einer Situation fühlen könnten und beziehen das in ihr eigenes Verhalten mit ein. Bei freundlichen Menschen weiss man, woran man ist.

Manchmal kommen Opportunismus und Berechnung als Freundlichkeit verkleidet daher. Mit echter Freundlichkeit hat das nichts zu tun. Mit Format ebenso wenig.

Herzlichkeit

Herzlichkeit ist eine wundervolle Eigenschaft. Sie entspringt einer emotionalen Quelle und äussert sich in einem besonderen, liebenswürdigen Engagement, wie auch einer Verbundenheit, authentischer Wärme und Uneigennützigkeit. Herzliche Menschen machen anderen Menschen gerne eine Freude – und beziehen daraus ebenso viel Freude. Sie sind daran interessiert, mehr über ihren Gesprächspartner zu erfahren als das, was die Höflichkeit erlaubt und der Freundlichkeit vielleicht gelingt.

Höflichkeit

Weil wir so selbstbestimmt leben, wird Höflichkeit oft als Täuschung, als ein Sich-Verbiegen und als unnötige Heuchelei empfunden. Ich sass einmal bei einem Fest an einem grossen Tisch mit Unbekannten, wo man sich erzählte, was man denn so beruflich mache. Ich sagte, ich sei Trainerin für Umgangsformen, worauf mein Tischnachbar meinte: „Wer braucht denn so was?!“ Nach diesem Ereignis habe ich mich für einen Schlagfertigkeitskurs angemeldet.

Die Definition von Höflichkeit variiert je nach Zeitgeist und Kultur. Im Kern bleibt sie aber gleich – immer und überall geht es dabei um soziales Einfühlungsvermögen. Dass wir Regeln oder Standards dazu haben und einhalten, hat für die meisten Menschen drei Gründe: Man möchte andere nicht vor den Kopf stossen. Man möchte von einer bestimmten Gruppe in einem bestimmten Umfeld angenommen werden. Und man will sich, wenn möglich, nicht zum Affen machen.

Im Grunde sollte man durch höfliches Verhalten weder abfallen noch auffallen. Darum ist das Bedürfnis nach Richtlinien auch in einer individualisierten und selbstbestimmten Gesellschaft gross. Es macht alles weniger anstrengend und hilft uns dabei, zu wissen, ob man dem Kunden das Du anbieten kann, wer den Wein bestellt oder was man um Himmels Willen zur Strand-Hochzeit des Freundes anziehen soll.

Die Mischung

Gehört ein Gesamtpaket aus Höflichkeit, Freundlichkeit und Herzlichkeit immer zu einem gelungenen Miteinander? Nicht unbedingt. Obwohl Herzlichkeit ganz sicher nicht falsch ist, kann sie in manchen Situationen auch zu viel des Guten sein und der Aufgabe, die man gerade zu erfüllen hat, im Weg stehen. Auch Freundlichkeit kann man ungewollt übertreiben und dann macht man zum Beispiel einer Person, die man gerade erst kennengelernt hat, ein unangebrachtes Kompliment oder man schafft es vor lauter Liebenswürdigkeit nicht, sich abzugrenzen. Konventionen und Regeln können dafür manchmal steif wirken und es wäre gelegentlich besser, nur aus dem Herzen heraus zu handeln. Und hin und wieder ist es auch völlig ok, einfach nur respektvoll höflich zu sein – auch ohne sich mit der ganz grossen Liebenswürdigkeit ins Zeug zu legen.

Ein Gespür dafür zu haben, wie viel von jedem dieser Elemente es in einer gegebenen Situation mit den unterschiedlichsten Menschen verträgt, ist, was in unseren Begegnungen den feinen Unterschied machen kann.

P.S. Wenn Ihnen das gefällt, gefällt Ihnen bestimmt auch der praktische Ratgeber für Menschen mit FORMAT.

Mit einem scharfen Profil überzeugen – was wir von Miss Moneypenny lernen können

von Catherine Tenger | 6. September 2021

James Bond mag der Star sein, aber er ist lange nicht die einzige Marke, von der der Kultfilm lebt. Wann immer Miss Moneypenny erscheint, hat sie einen Auftritt. Und ihr Profil ist ein scharfes. Man muss nicht laut sein oder eine schillernde Figur, man muss sich nur richtig positionieren können.

Sobald wir mit Menschen zu tun haben, geben wir ein Bild ab, ob wir es wollen oder nicht. Dieses Bild zeigt anderen, wer wir sind und wofür wir stehen. Wenn wir nicht selber dafür sorgen, diese Qualitäten sichtbar und erlebbar zu machen, überlassen wir es den anderen, sich zusammenzureimen, was wir repräsentieren oder welche Fähigkeiten und Interessen wir haben könnten. Unser Gegenüber wird uns nämlich anhand der für ihn vorhandenen Information unbewusst einschätzen und das Ergebnis mit seinen eigenen Assoziationen kombinieren. Diese Information kann aus visuellen, nonverbalen Signalen bestehen und von unseren Handlungen und den Geschichten, die man über uns erzählt, gefärbt sein.

Da ist es doch besser, wir nehmen die Gestaltung unseres Profils selbst in die Hand und sorgen dafür, dass es – dort, wo es uns wichtig ist – ein scharfes ist.

Stellen Sie sich einen Eisberg vor. Das Verhältnis zwischen Höhe und Tiefgang beträgt durchschnittlich 1:6 und sichtbar für alle ist nur das, was oberhalb des Wasserspiegels herausragt. Ausser, man ist Polartaucher oder Fan von Naturdokus – dann sieht man auch den noch viel grösseren Brocken, der sich unter Wasser befindet. Ähnlich ist es bei Menschen: Was unter der Oberfläche liegt, sehen meistens nur enge Freunde, nahestehende Familienmitglieder und vielleicht noch ein Therapeut. Im Tiefgang unserer Persönlichkeit liegen Werte und Überzeugungen, Erfahrungen und Kompetenzen, Ängste und Träume, aber auch Temperament, Motivation und Selbstwertgefühl. Was obenauf schwimmt und für andere sicht- und erlebbar wird – also die Spitze des Eisbergs – sind unser Auftreten, unsere Handlungen und die uns eigene Art zu kommunizieren. Wenn die Spitze des Eisbergs spiegelt, was unter der Oberfläche passiert, werde ich als authentische Persönlichkeit wahrgenommen. Aber wenn die Spitze nicht zum unteren Teil passt, bleibe ich für andere Menschen eine Person, die nicht greifbar ist. Oder schlimmer, nicht glaubwürdig. Im Klartext: Wenn man bei der Arbeit zwar so auftritt, wie es die Branche oder das Unternehmen von einem erwartet, man das aber nicht mit den eigenen Werten vereinbaren kann, ist es entweder Zeit, den Job zu wechseln oder seine Überzeugungen zu überdenken.

Ich sage bewusst, „was unter der Oberfläche passiert“ und nicht, „was unter der Oberfläche ist“, denn unsere Persönlichkeit entspringt zwar zu einem Teil unserem genetischen Material, das uns wie ein Grundrauschen durchs ganze Leben begleitet. Allerdings kommt es sehr stark darauf an, was wir daraus machen. Oder anders gesagt: Manches hat Mutter Natur mit dem Permanentmarker geschrieben, vieles mit Bleistift. Und so können wir auch Einfluss darauf nehmen, wie wir wirken, was wir ausstrahlen und wofür wir bekannt sind. Was unter der Oberfläche liegt, hat die Kraft zu verändern, wie sich der Eisberg oberhalb des Wassers zeigt.

Bevor wir also überlegen, wie wir unsere Wirkung nach aussen gestalten, sollte uns glasklar sein, was sie denn reflektieren soll. Ein positives Selbstkonzept ist nämlich die Voraussetzung für eine charismatische Ausstrahlung und ein scharfes Profil. Es ist die Grundlage für Entscheidungen, Beurteilungen und Folgerungen, die man in Bezug auf sich selbst trifft und insofern ist es auch ausschlaggebend dafür, was wir ausstrahlen und wie wir wahrgenommen werden.

Daher fragen Sie sich zunächst einmal folgendes:

  1. Was sind Ihre Werte?

Meistens wissen wir ja intuitiv, was uns wichtig ist und nehmen es als für uns gegeben hin. Weniger oft finden wir die Zeit, es genau aufzuschreiben. Hinzu kommt, dass sich Wertehaltungen im Laufe des Lebens entwickeln und verändern. Was Ihnen heute wichtig ist, war vor 20 Jahren vielleicht noch unbedeutend und wofür Sie in zehn Jahren kämpfen werden, ist unter Umständen heute noch kein Thema. Kinder, Arbeit, Beziehungen, Gesundheit, Umwelt, Politik und vieles mehr haben darauf einen Einfluss. Wenn Sie mit dem Definieren Ihrer Werte nicht weiterkommen, denken Sie einfach mal darüber nach, worüber Sie sich am meisten ärgern. Das ist nämlich meistens ein Hinweis darauf, dass dabei einer Ihrer Grundwerte verletzt wird. 

  • Was haben Sie bis jetzt erreicht und worauf sind Sie stolz?

Ein gesundes Selbstvertrauen wird gefördert, wenn man sich hin und wieder daran erinnert, was einem schon alles gelungen ist und welche Herausforderungen man gemeistert hat. Egal ob es sich dabei um berufliche Leistungen oder persönliche Erfolgserlebnisse handelt – wir erkennen, welche unserer Fähigkeiten und Fertigkeiten dazu beigetragen haben und dass wir darauf bauen können. Ausserdem gibt es uns Hinweise darauf, wo unsere Stärken liegen. Oft nehmen wir persönliche Stärken gar nicht als solche wahr, weil uns die Dinge dann so einfach von der Hand gehen, dass wir es selbstverständlich finden. Aber je bewusster und häufiger wir unsere Stärken einsetzen, desto zufriedener sind wir, motivierter und engagierter. Wir sind in unserem Element, weil wir etwas nicht nur gut können, sondern auch noch gerne machen. Kurz gesagt: Wir haben einfach mehr Spass bei der Sache. Und was macht das mit unserer Ausstrahlung? Eben. Schaffen Sie sich darum regelmässig Raum und Gelegenheiten, in Ihrem Element zu agieren.

Negative Erlebnisse bleiben oft länger und intensiver im Gedächtnis haften als positive. Um den inneren Kritiker in die Schranken zu weisen, hilft es, sich die Erfolge aufzuschreiben und die Liste immer wieder mal durchzulesen. Sie haben bestimmt irgendwo ein paar Notizbücher, die hübsch und leer Staub ansammeln. Jetzt wissen Sie, was Sie damit machen könnten.

  • Was sollen andere denken, fühlen oder sagen, wenn sie mit Ihnen oder Ihrem Namen in Kontakt kommen? Wie sollen sie eine Beziehung zu Ihnen erleben?

Eine gute Methode, diese Frage zu beantworten, ist es, sich vorzustellen, wie verschiedene Menschen an einem Fest zu Ihren Ehren eine Laudatio auf Sie halten – ein Familienmitglied, ein Freund, jemand aus Ihrem Arbeitsumfeld und vielleicht auch noch eine Person aus Ihrem Sportverein. Was würden Sie sich wünschen, dass diese Menschen über Sie sagen – darüber, wer Sie für sie sind, wofür Sie stehen, was Sie bewirken?

Wenn Sie sich über all diese Punkte im Klaren sind, können Sie sich die krönende Frage stellen:

  • Wofür wollen Sie bekannt sein?

Suchen Sie sich nicht etwas Generisches aus, wie „Ich möchte als zuverlässig/motiviert/vertrauenswürdig gelten“ – lassen Sie das Teil Ihrer Grundausstattung sein. Überlegen Sie stattdessen: Womit wollen Sie auffallen? Möchten Sie vielleicht die Person sein, die unbequeme, aber inspirierende Fragen stellt? Der Mensch, der andere zusammenbringt, weil er ein gutes Gespür für wertvolle Kooperationen hat? Das Organisationstalent, das nicht nur gut planen kann, sondern auch aussergewöhnliche Ideen hat? Diejenige, die sich immer wieder neu erfindet? Derjenige, der seinen Mitarbeitern das Gefühl gibt, dass es in Ordnung ist, Fehler zu machen? Egal, wofür Sie sich entscheiden, es bedingt die Spiegelung Ihrer Werte sowie Kontinuität. Sie werden Ihr Profil nicht mit einer einmaligen Aktion schärfen können, Sie müssen immer wieder selbst dafür sorgen, dass das, wofür Sie bekannt sein wollen, von anderen wahrgenommen wird.

Apropos Miss Moneypenny: In der neuesten Ausgabe der Schweizer Fachzeitschrift für Office Managerinnen und Assistentinnen durfte ich ein Interview zum Thema „Ein wirkungsvoller Auftritt“ geben. Vielen Dank für das Gespräch!

P.S. Wenn Ihnen das gefällt, gefällt Ihnen bestimmt auch der praktische Ratgeber für Menschen mit FORMAT.

Auf der Suche nach dem passenden Geschenk

von Catherine Tenger | 29. Juli 2021

«Es ist schön, den Augen dessen zu begegnen, dem man soeben etwas geschenkt hat.»

…falls dieses Etwas eine gute Wahl war. Denn als der französische Schriftsteller Jean de La Bruyère diesen eingangs zitierten Satz gegen Ende des 17. Jahrhunderts sagte, kannte er vermutlich die Multioptionsparalyse nicht. Jeder, der auf der Suche nach einem passenden Geschenk schon einmal durch ein Kaufhaus oder durch Websites wie geschenkidee.de oder geschenkparadies.ch gesurft ist, weiss, wovon ich spreche. Da gibt es zu viele Möglichkeiten und doch wenige, die wir passend finden. Googelt man „Geschenkidee“, erhält man 19’300’000 Treffer. Es scheint also ein Problem zu sein, das richtige Geschenk zu finden.

Neulich wurde ich dazu vom Tagblatt befragt. Herzlichen Dank für das Interview und den gelungenen Artikel mit einem tollen Fragebogen, der beim Geschenkefinden hilft. Denn mit dem Fortschreiten der Impfungen ist es soweit: Einladungen flattern wieder vermehrt ins Haus, Geburtstagspartys und Hochzeiten stehen an. Und in 5 Monaten ist auch bereits wieder Weihnachten.

Sag’s mit Blumen

Manchmal darf es aber auch „bloss“ ein schöner Blumenstrauss sein – und damit kann man eigentlich nichts falsch machen. Fast.

Blumen sind Klassiker unter den Gastgeschenken. Dabei empfiehlt es sich, auf die Bedeutung bestimmter Blumen zu achten. Wer sich allerdings durch die Blumensprache googelt, könnte auch ob all der Symbolik verunsichert werden und aus Angst vor Fehlschlüssen nie mehr Blumen verschenken. Ok, ein Strauss roter Rosen ist nicht die beste Wahl – ausser man möchte ein Date oder seine innige Liebe zum Ausdruck bringen. Und nur weisse Blüten, die oft mit Friedhofsblumen in Verbindung gebracht werden (wie Nelken, Chrysanthemen und Astern) sind auch nicht in jeder Situation das Richtige. Aber Sie dürfen davon ausgehen, dass Ihre Gastgeber einen schönen Strauss Hortensien nicht gleich als Andeutung verstehen werden, dass sie Wichtigtuer seien oder denken, Sie möchten sie mit Flieder durch die Blume um ihre Treue bitten. In anderen Kulturen ist aber grössere Vorsicht geboten. Es empfiehlt sich – vor allem in asiatischen Ländern –, die Symbolik gewisser Blumen vorher abzuklären.

Überreichen

Überreichen Sie Blumen ohne Papier – entfernen Sie die Verpackung kurz bevor Sie klingeln. Durchsichtige Folie hingegen darf beim Überreichen dran bleiben.

Vorausschicken und Nachsenden

Es ist auch eine schöne Geste, einen Blumenstrauss am Tag der Einladung vorauszuschicken – zusammen mit einer Karte, auf der steht, dass man sich auf den Abend freut. Das gibt zudem den Gastgebern die Möglichkeit, die Blumen schön zu arrangieren und vorteilhaft zu platzieren. In dem Fall bedanken sich die Gastgeber am Abend, und weisen auf den Strauss hin. Denn meistens hat man als Schenkender den Blumenstrauss selbst noch gar nicht gesehen. Bei Anlässen, die in einer Location stattfinden, ist das Vorausschicken nach Hause ebenfalls eine stilvolle Lösung. So muss der Beschenkte nicht mehrere Blumensträusse nach dem Fest nach Hause transportieren – das ist auch für die Blumen gut. Nachsenden geht ebenso – zum Beispiel am Tag nach einer spontanen Einladung. Das geht in Zeiten des Homeoffice besonders gut, da die Blumen so nicht vor der Türe verdursten.

Gerade oder ungerade?

Bei einem grösseren Strauss spielt die Zahl der Blumen keine Rolle. Bei einem kleineren lassen sich fünf Blumen optisch besser in der Vase arrangieren als vier. Von 13 sollte man absehen, weil man nie weiss, ob der Empfänger damit Unglück assoziiert. Schliesslich gibt es in den meisten Flugzeugen aus dem selben Grund auch keine Reihe 13.

Intensive Düfte

Blumen, die intensiv duften (z. B. Lilien und Hyazinthen) nur schenken, wenn Sie sicher sind, dass die Gastgeber den Duft auch mögen.

Blumen bei Krankenbesuchen

Schnittblumen in einem Krankenhauszimmer machen den meisten Patienten Freude. Stark duftende Blüten hier aber bitte unbedingt vermeiden. Sie wollen ja nicht, dass es der kranken Person dazu auch noch schlecht wird… Auf Intensivstationen sind Schnittblumen verboten. Lassen Sie deshalb die Blumen erst dann schicken, wenn sich der Patient auf der Station befindet. Schenken Sie keine Topfpflanzen. In Erde Gepflanztes ist in vielen Spitälern wegen der Keime (Pseudomonas-Bakterien, habe ich mir sagen lassen) nicht erlaubt.

Wann Blumen nicht angebracht sind

Sie holen mal wieder die grosse Abendgarderobe vom Dachboden? Nach einenhalb Jahren Jogginghose wäre das ja eine schöne Abwechslung. Dann aber daran denken, dass Blumen nicht an akademische Ehrungen sowie allgemein nicht zu Smoking- und Frack- anlässen mitgebracht werden. Wenn schon Frack, dann richtig.

Small Talk und die Frage nach dem Impfstatus

von Catherine Tenger | 22. Juni 2021

Wir nähern uns Stück für Stück der Normalität. Wir arbeiten teilweise wieder im Büro, trinken Kaffee mit Kolleginnen und Kollegen, nehmen an Veranstaltungen teil, gehen mit Kunden essen und begegnen der Chefin wieder im Fahrstuhl. Small Talk hält in unser tägliches Leben wieder Einzug und viele haben vergessen, wie er geht. Jedenfalls scheint es so. Denn wovon man normalerweise beim Gespräch zum Beziehungsaufbau die Finger lässt – nämlich von einem stark polarisierenden Inhalt – scheint heute der Eisbrecher erster Wahl zu sein. „Sind Sie geimpft?“ ist aber kein Thema für Small Talk und schon gar kein Einstieg dazu – jedenfalls kein angebrachter.

Als guter Gesprächseinstieg gelten Anknüpfungspunkte, die sich leicht ergeben und die aktuelle Lage war schon immer und garantiert ein gemeinsamer Nenner, zu dem beiden Gesprächspartnern etwas einfällt. Allerdings gehörten dazu noch nie humanitäre Krisen und Katastrophen oder heisse Themen jeglicher Art. Small Talk dient als sozialer Kitt, nicht als Ausgangslage für einen Meinungsstreit. Diskussionen, Debatten oder das Philosophieren über die grossen Fragen des Lebens, Politik, Religion, Liebe, Sorgen und auch die Einstellung zum Impfen sind Gespräche, die wir uns gönnen, wenn wir mit unserem Gesprächspartner gut vertraut sind und beide Seiten Lust dazu haben.

Eine der wichtigsten Funktionen des Small Talks ist, dem Gesprächspartner zu verstehen zu geben: Ich interessiere mich für dich. Das ist bei der Frage nach der Einstellung zum Impfen selten der Fall, denn da geht es in erster Linie um die eigene Meinung und das Herausfordern des Gegenübers, sollte diese Person anderer Ansicht sein.

Wie also sollte man reagieren, wenn man auf die Impfmeinung oder den Impfstatus angesprochen wird? Da hilft nur Vorbereitung. Spontanität und Improvisation sind grossartig, aber haben Sie schon einmal Musiker gehört, die einfach so aus dem Stegreif miteinander spielen können, ohne, dass sie ihr Instrument beherrschen oder etwas von Musik verstehen? Das Improvisieren geht auch beim Small Talk vor allem dann gut, wenn man schon vorher ein paar Prinzipien kennt und etwas Übung hat. Sie werden viel souveräner mit der Situation umgehen können, wenn Sie sich im Vorfeld ein paar Gedanken dazu gemacht und geprobt haben. Nehmen Sie sich daher einmal 20 Minuten Zeit und überlegen Sie verschiedene Varianten, wie Sie mit Fragen oder Bemerkungen, die Ihnen immer wieder begegnen, umgehen möchten – und vielleicht gehört da ja die Impffrage dazu. Legen Sie sich ein paar Standardantworten zurecht, denen Sie gleich – und das ist besonders wichtig – eine Überleitung zu einem anderen Thema anhängen, wenn der Ball bei Ihnen ist. So können Sie auch Einfluss darauf nehmen, welche Richtung das Gespräch nimmt.

Hier ein paar Beispiele:

Variante A: Sie sind gleicher Meinung wie Ihr Gesprächspartner

Prima. Aber alles, was folgt, ist das gemeinsame Bestärken der Empörung über die Gegenseite. Selten bewirkt das eine gute Atmosphäre oder ein interessantes Gespräch. Sie werden zwar bestätigt daraus hervorgehen, aber auch aufgeheizt und vermutlich nicht mit positiven Emotionen – und das hat nicht nur einen Einfluss auf Ihre Stimmung, sondern auch auf Ihre Ausstrahlung und das nächste Gespräch. Hier wäre also ein möglicher Standardsatz, um dem Thema auszuweichen:

„Ich bin ganz Ihrer Meinung. So oder so freue ich mich sehr darauf, wenn wir wieder freier sind, (…) zu tun. Besonders auf (…)“ und dann leiten Sie über auf Ihr Wunschthema.

Variante B: Sie haben die gegenteilige Meinung

Wenn Sie Unverständnis in sich aufsteigen fühlen, halten Sie bewusst inne und widerstehen Sie der Versuchung, zu unterbrechen. Das heizt den Gesprächspartner nämlich nur an und schon haben Sie den Salat. Lassen Sie Ihr Gegenüber erst einmal aussprechen und antworten Sie ruhig und freundlich, aber grenzen Sie sich ab. Hier können Sie sich zum Beispiel zwei Standardsätze zurechtlegen.

Harmonisierend: „Ich bin zwar anderer Meinung, aber ich respektiere Ihre Haltung. Es ist auf jeden Fall schön, dass solche Treffen wieder möglich sind. Ich freue mich auch darüber, wieder auswärts Essen zu gehen. Ich habe neulich ein tolles Restaurant entdeckt und dort ein fantastisches Curry gegessen. Was essen Sie denn am liebsten?“

Bestimmt: „Da sind wir anderer Meinung. Lassen Sie uns doch lieber nach vorne schauen und über andere Dinge sprechen. Mich würde zum Beispiel interessieren (…)“
Wichtig: Halten Sie hier ein nächstes Thema bereit, das absolut nichts mit Corona zu tun hat. Das muss keine sanfte Überleitung sein, es gab ja eine klare Ansage, dass Sie das Thema wechseln werden. Aber es liegt an Ihnen, das Thema zu wechseln. Sie können Ihren Satz nicht mit „Lassen Sie uns über andere Dinge sprechen“ beenden und erwarten, dass der andere übernimmt – der Ball ist dann immer noch bei Ihnen. Sagen Sie das alles mit einem Lächeln, offenem Blickkontakt, frisch und positiv, dann hinterlässt es auch keinen bitteren Nachgeschmack.

Variante C: Sie werden direkt gefragt oder dazu angehalten: „Sind Sie schon geimpft?“ oder „Lassen Sie sich bloss nicht impfen!“

Hier ist es wichtig, für sich erst einmal festzulegen, ob man eine Grenze ziehen möchte und sich dann auch getraut, sich gar nicht zu rechtfertigen.

Sie können zum Beispiel, auch ohne Ihren Impfstatus bekannt zu geben, antworten: „Lassen Sie uns heute für einmal bitte nicht über Corona sprechen. Es gibt so viel Interessantes und Schönes, über das man sonst noch reden könnte. Gehen Sie zum Beispiel gerne ins Kino? Ich freue mich sehr auf all die Filme, die nun erscheinen – besonders auf den neuen James Bond! Was für Filme mögen Sie?“

Wenn Sie aber gerne darauf antworten möchten, dann sagen Sie einfach „Das ist eine sehr persönliche Frage, aber ja (bzw. nein)“ ohne einen Zusatz wie „ja, selbstverständlich!“ oder „nein, natürlich nicht!“, denn sonst sind Sie je nachdem doch gleich in einer Debatte und somit eben nicht mehr im Small Talk, der beziehungsfördernd ist und als sozialer Kitt dient.

Gut memorierte Instantsätze stehen schneller zum Abruf bereit und ermöglichen Ihnen eine souveräne Reaktion auf immer wiederkehrende, persönliche oder polarisierende Fragen.  

Sie können sich natürlich auch in Schlagfertigkeit üben und mit gleicher Munition zurückschiessen. Allerdings läuft das selten auf eine Begegnung hinaus, die sich positiv gestaltet. Aber wer weiss – vielleicht werden Sie überrascht und es führt zu gemeinsam fröhlichem Gelächter. Wäre ich frecher, ich würde auf die Impffrage von einer fremden Person gerne mal entgegnen: „Ja, durchgeimpft. Und Sie waren schon bei der Darmspiegelung?“

Redaktion Catherine Tenger

P.S. Small Talk ist gross im Gespräch und immer wieder ein Thema in der Presse. Nachlesen kann man einige meiner Tipps bei SRF3 und der Schweizer Illustrierten Online, die in letzter Zeit erschienen sind.

„Was genau machst du beruflich?“

von Catherine Tenger | 19. Mai 2021

Das ist eine Frage, die uns so nicht sehr oft gestellt wird – mit der Betonung auf „genau“. Dabei ist es eine sehr gute Frage und wir sollten sie mehr in diesem Sinne stellen – und beantworten. Ohne das Wort „genau“ erwidern wir meist unklar und oft auch etwas schwunglos und schwammig. Wir geben einen Titel oder eine generische Berufsbezeichnung an und damit hat es sich. Daraus entstehen in den seltensten Fällen lebendige Gespräche. Haben Sie sich schon einmal überlegt, wie Sie Ihren Beruf jemandem beschreiben könnten, der nicht mit Ihrer Branche, Ihrem Unternehmen oder Fachgebiet vertraut ist? Wir sollten Titel und Fachbezeichnungen weglassen und lieber die Gründe mitteilen, warum oder wie wir in das Sachgebiet, den Beruf oder die Position gekommen sind. Das ist um einiges spannender und man wird dem Geprächspartner eher in Erinnerung bleiben. Und wenn das Gespräch weitergeht, werden wir immer Gelegenheit haben, unsere Kompetenzen einzubringen.


„Was genau machst du beruflich und wie genau bist du zu diesem Job gekommen?“ wurde ich vom Online-Magazin businessfrau.ch gefragt. Vielen Dank für das Interview!

Die Sache mit der Kleidung im Home-Office

26. April 2021

Was machen immer noch viele, bevor sie in einen Video-Call gehen? Nichts. Also manchmal haben sie gerade noch schnell ein sauberes Hemd oder eine saubere Bluse angezogen. Aber meistens sind sie untenrum gemütlich und oben ein bisschen schick. Da sitzen sie nun zuhause, auf ihrem Sessel oder Sofa, einen Kaffee in der Hand, manche kauen sogar noch, flauschige Hausschuhe an den Füßen, Jogginghose – im Sommer auch Shorts –und drücken auf den Link „Meeting starten“. Und plötzlich ist es ein richtiges Meeting. Sie müssen verhandeln. Es geht um Budgets, um Jobs und womöglich das Überleben der Firma. Sie beginnen zu schwitzen – und auf einmal fühlen sich Hausschuhe ziemlich deplatziert an.

Videocalls lullen uns leicht in ein falsches Gefühl von Bequemlichkeit ein. Selbst wenn sich die Bügelfalten-Geschäftsmode nicht erst seit Corona deutlich gelockert hat, ist es durchaus sinnvoll, auch während einer Online-Veranstaltung unten zumindest einigermaßen ordentliche Hosen oder Röcke anzuziehen. Denn das Tragen von etwas offiziellerer Kleidung lässt uns am Bildschirm nicht nur kompetent und selbstbewusst wirken, sondern bewahrt uns auch vor möglicherweise peinlichen Situationen. Wenn wir zum Beispiel, ohne nachzudenken, plötzlich aufstehen, um eine fehlende Unterlage zu holen…

Auch darum hat sich unsere Einstellung zu unserer Kleidung durch das Arbeiten im Home-Office innerhalb des letzten Jahres gewandelt: Antonella Giannone, Professorin für Modesoziologie an der Weißensee-Kunsthochschule Berlin hat beobachtet, dass sich etwas tut. Weg von der Jogginghose hin zu insgesamt etwas repräsentablerer Kleidung. Einerseits, um uns in der häuslichen Umgebung wenigstens etwas unserer beruflichen Rolle anzunähern. Aber auch, um unsere körperliche Präsenz zu verstärken und zu kompensieren, dass wir „nur“ auf dem Monitor sichtbar sind.

Wir tendieren dazu, die Bedeutung von Kleidung generell zu unterschätzen. Dabei ist es schon lange durch diverse Studien wissenschaftlich belegt, dass formellere Kleidung beim abstrakten Denken und bei der Konzentration hilft. Aber durch das Arbeiten zu Hause suchen wir unsere Kleidung nach anderen Kriterien aus – Ästhetik und Formalität spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. Zudem bieten unsere (Sitz-)Möbel zuhause Spielraum für ganz andere Positionen und Bewegungen als die Möbel im Büro. So bevorzugen manche den Schneidersitz oder ziehen vielleicht auch mal ein Bein hoch. In einem Rock oder einer engen Hose geht das nicht. Deshalb greifen wir zuhause vermehrt zu bequemen Kleidungsstücken, gern auch mit elastischem Gummibund – was noch vor ein paar Jahren ausschließlich bei Kleidungsstücken für ältere Leute zu finden war – und nicht einmal im Second Hand Shop genommen wurde…

Übrigens haben Farben oft eine andere Wirkung am Monitor als in Präsenzveranstaltungen. Da vielen keine gute Kamera zur Verfügung steht, wirken fast alle dunklen Farben wie Anthrazit, Blau, Grün oder Aubergine in Online-Settings schwarz. Wer sich abheben möchte, sollte daher eher auf etwas intensivere, leuchtende Farben setzen. Und Vorsicht mit jeder Art von Mustern auf Hemden, Blusen, Kleidern oder Jacken: Sie lassen das Bild flimmern und führen zu Interferenzen. Spannend ist auf jeden Fall, was nach der Krise kommt. Manche haben zuhause einige Kilos zugenommen, andere wiederum waren unentwegt Joggen. Viele werden nicht mehr in ihre gewohnte Bürokleidung passen. Und die interessante Frage ist: Hält dann die Home-Office-Lässigkeit Einzug ins Büro oder sehnen sich alle wieder nach der alten „Normalität“? So oder so, egal, für welchen Look wir uns entscheiden, jeder Kleidungsstil wirkt immer nur dann überzeugend, wenn die Qualität der Materialien stimmt. Und das wird sich nicht ändern.

Redaktion: Vielen Dank an meine Kollegin Imme Vogelsang, iv-imagetraining, die für unser Netzwerk Etikette Trainer International diesen Beitrag geschrieben hat.


ETI ist ein Zusammenschluss von internationalen Etikette Trainern, die gesellschaftliche Entwicklungen diskutieren, mit traditionellen Formen vergleichen und gegebenenfalls neue Standards setzen. Diese Empfehlungen werden in Seminaren, Pressegesprächen und Veröffentlichungen transportiert. Alle Mitglieder haben eine qualifizierte Ausbildung im Bereich Umgangsformen, Hotellerie, Gastronomie oder Protokoll und bilden sich ständig weiter. Dieses Netzwerk von Spezialisten steht für Aktualität, Kompetenz und Qualität.


Im Masken-Dilemma mit Make-up und Brille

20. Januar 2021

Im Kampf gegen das Coronavirus wurde auch in Deutschland kurz vor Weihnachten erneut das öffentliche Leben heruntergefahren und zum zweiten Mal ein Lockdown ausgerufen. Dass mittlerweile die deutschlandweit eingerichteten Impfzentren ihre Arbeit aufnehmen konnten, verspricht Hoffnung!
In Anbetracht der noch immer hohen Infektionszahlen und der Tatsache, dass es Monate dauern wird, bis flächendeckend geimpft ist, wird uns die Maskenpflicht im Alltag allerdings noch länger begleiten. Daher wollen wir zwei scheinbar trivialen Fragen auf den Grund gehen:

  • Wie verhindere ich, dass meine Brille beim Tragen einer Maske dauernd beschlägt?
  • Wie stelle ich sicher, dass mein Make-up auch unter der Maske möglichst tadellos bleibt und nicht in der Maskeninnenseite unansehnliche Schmierspuren hinterlässt?

Brillenträger kennen das: Kaum kommen sie von draußen nach drinnen oder betreten einen Laden, um einzukaufen, schon stehen Sie im Nebel. In Sekundenschnelle hat die aufsteigende Atemluft hinter Ihrem Mund-/Nasenschutz Ihre Brille beschlagen und Sie sehen nichts mehr. Die Brille absetzen, sich ins Haar schieben oder auf die Nasenspitze rutschen lassen, um sich mit verschwommener Sicht in der Umgebung zurecht zu finden, ist kaum eine akzeptable Lösung.
Das A und O für eine glasklare Sicht – so Expertentipps – ist der richtige Masken- und Brillen-Sitz. Ihre Maske sollte im Nasenbereich eng anliegen und die Brille über der Maske getragen werden. Liegt die Maske nicht eng genug an, wird empfohlen, ein Viertel des oberen Maskenrands nach innen einzuschlagen, damit die Feuchtigkeit der Atemluft nicht nach oben steigen kann. Alternativ können Sie auch ein Taschentuch unter der Maske über die Stelle legen, auf der Ihre Brille aufliegt. Selbstgefertigte Masken sollten über einen eingenähten Draht oder ein dünnes Metallstück im Nasenbereich justierbar sein. Welches die beste „Nasenklemme“ ist, wird übrigens umfassend im Internet diskutiert. Ob ein gekürzter Pfeifenstopfer, der Verschluss eines Schnellhefters oder die Drahtschließe einer Toasttüte … der Ideenreichtum kreativer Köpfe ist beeindruckend. Darüber hinaus versprechen auch die Anwendung innovativer Mikrofasertücher, die auf Basis einer „superhydrophilen Nanotechnologie“ entwickelt wurden sowie spezielle Antibeschlagsprays stets freie Sicht.

Aber nicht nur Brillenträger*innen haben es mit Einzug der Maskenpflicht schwer. Make-up-Liebhaber*innen stecken in einem echten Dilemma, denn Make-up und Schutzmaske vertragen sich leider eher schlecht. Schnell klebt der sorgfältig kreierte Look verschmiert an der Maskeninnenseite, was zweifelsohne in zweifacher Hinsicht einen ungepflegten Eindruck bei Ihrem Gegenüber hinterlässt. Zwar verzichten einige, die im Homeoffice sind, schon auf das morgendliche Schminken. Doch hin und wieder, muss man eben doch einmal raus. Für andere wiederum ist Homeoffice erst gar nicht möglich. Obgleich es unter der Maske keiner sieht, fühlen sich viele „ganz ohne“ irgendwie unwohl, so dass nachfolgende Tipps vielleicht ein wenig Abhilfe bringen:

  • Als Faustregel für langanhaltendes Make-up gilt: Reinigen Sie Ihr Gesicht gründlich, denn nur so können Produkte richtig halten.
  • Auch wenn „Glowy Make-up“ besonders angesagt ist, sind derartige Produkte beim Tragen einer Maske alles andere als optimal. Wählen Sie Kosmetikprodukte, die einen langen Halt versprechen und eher auf pudriger Basis Akzente setzen – z. B. Mineralpuder statt Foundation, 24h Super Stay-Lipsticks statt cremiger Lippenstifte.
  • Für ein gelungenes Finish empfehlen Experten sogenannte Setting Sprays, die nicht nur fixieren, sondern auch eine feuchtigkeitsspendende Wirkung haben.

Und zu guter Letzt: Wählen Sie einen FFP2-Mundschutz. Diese Maske gilt nicht nur als besonders sicher, sondern haftet zudem nicht komplett auf Ihrer Haut.

Redaktion: Isabel Schürmann, Personality Consult; Imme Vogelsang, iv-imagetraining

Etikette Trainer International
ETI ist ein Zusammenschluss von internationalen Etikette Trainern, die gesellschaftliche Entwicklungen diskutieren, mit traditionellen Formen vergleichen und gegebenenfalls neue Standards setzen. Diese Empfehlungen werden in Seminaren, Pressegesprächen und Veröffentlichungen transportiert. Alle Mitglieder haben eine qualifizierte Ausbildung im Bereich Umgangsformen, Hotellerie, Gastronomie oder Protokoll und bilden sich ständig weiter. Dieses Netzwerk von Spezialisten steht für Aktualität, Kompetenz und Qualität.

Taktvolles Verhalten im Trauerfall in Zeiten von Corona

von Catherine Tenger | 15. Dezember 2020

Die Einschränkungen und Maßnahmen der Corona-Krise machen das Abschiednehmen noch bitterer. Rituale und Berührungen fallen weg – und damit ist auch der Beistand der Angehörigen schwieriger geworden. Wenn eine Umarmung und ein tröstender Händedruck tabu sind und Besuche nur eingeschränkt stattfinden können, fehlt ein wichtiger Teil im Umgang mit Trauernden. Es ist viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen gefragt – jetzt ganz besonders.

Mangels physischer Nähe kann man den Betroffenen nur mit Worten, ob nun persönlich oder schriftlich, Zuwendung schenken und das Gefühl geben, dass sie nicht allein sind. Das ist einfacher bei Menschen, denen man nahesteht als bei solchen, die man z. B. nur von der Arbeit her kennt oder weil sie in der gleichen Straße wohnen. Trotzdem sollte man bei einer Begegnung, ob persönlich oder virtuell, ein Zeichen des Mitgefühls geben. Vermeiden Sie Floskeln wie „Herzliches Beileid“ oder „Ich kondoliere Ihnen“. Persönlicher und natürlicher ist z. B.: „Es tut mir leid, dass Sie Ihre Mutter verloren haben“; „Ich habe gehört, dass Ihr Vater gestorben ist. Das tut mir sehr leid“.  Was Sie sagen, sollte von Herzen kommen. Nehmen Sie den Trauernden niemals ihr Leid weg, indem Sie relativieren oder versuchen, die Trauer mit Redensarten zu lindern. Für Hinterbliebene ist es wichtig, dass sie in ihrer Trauer ernst genommen werden. Ratschläge sind fehl am Platz.

Eine Karte oder ein Brief sind vor allem dann wertvoll, wenn der Text persönlich und individuell ist, also keine geschwollenen Formulierungen verwendet werden, die nicht zum eigenen Stil passen. Schreiben Sie handschriftlich und mit schwarzer Tinte und ergänzen Sie vorgedruckte Kondolenzkarten immer mit persönlichen Worten. Schreiben Sie, was Sie wirklich empfinden. Wenn Sie die verstorbene Person persönlich kannten, bringen Sie ihre Beziehung und gemeinsame Erlebnisse ein. Zeigen Sie Respekt vor ihren Besonderheiten und persönlichen oder beruflichen Verdiensten. Wenn Sie die verstorbene Person nicht gut oder gar nicht persönlich kannten, wie die Mutter oder den Vater einer Bekannten, können Sie z.B. so darauf eingehen: „Ich bin Deiner Mutter nur einmal begegnet, aber sie hatte eine herzliche, offene Ausstrahlung. Oder „Ich kannte Deinen Vater nicht persönlich, aber ich weiß, dass Ihr Euch nahestandet und dass Dir diese Beziehung nun fehlen wird“.

Wertschätzung zeigen Sie auch mit der Wahl des Schreibmaterials
Für Briefe verwenden Sie am besten schlichtes, weißes Briefpapier, das schwerer ist als 80 g/m2. Schwarz umrandetes Papier und Umschläge sind der Trauerfamilie vorbehalten und werden nicht bei Kondolenzschreiben an die Trauerfamilie benutzt. Benutzen Sie eine Briefmarke, keine maschinelle Frankierung. Das gilt auch für einen Trauerfall Im geschäftlichen Umfeld. Schreiben Sie nicht auf Firmenpapier mit dem Logo und der Bankverbindung. Tabu sind Kondolenzschreiben per E-Mail, allerdings kann man einer nahestehenden Person im ersten Schockmoment eine mitfühlende Textnachricht schicken, dies ersetzt jedoch nicht eine Karte oder einen Brief.

Zeigen Sie Empathie
Nehmen Sie sich Zeit. Hören Sie zu und sprechen Sie über den Verstorbenen, wenn Trauernde das Bedürfnis haben zu reden. Machen Sie konkrete Hilfsangebote. Sätze wie „Ruf mich an, wenn du etwas brauchst“ helfen wenig. Fragen Sie nach und lassen Sie entstehende Trauerreaktionen zu. Und stellen Sie Blickkontakt her, denn die Augen sind die Fenster der Seele. Gerade in Zeiten, wo wir eine Maske tragen und Abstand halten müssen, ist das ganz wichtig.

Wertschätzender Umgang miteinander in Krisenzeiten

22. Oktober 2020

Werte wie Respekt, Rücksichtnahme, Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Toleranz erleben im Gegensatz zur Börse keinen Absturz, sie hatten und haben zu allen Zeiten Hochkonjunktur. Gerade in Krisenzeiten wie diesen, sind sie besonders wichtig.

Die Corona-Krise kann auch schnell zur Beziehungskrise werden – sowohl beruflich wie auch privat. In Zeiten von Homeoffice oder Quarantäne hocken Familien aufeinander – mehr und länger als sonst. Dazu kommen oft wirtschaftliche Ängste. Vielen dient ein solcher Zustand als Rechtfertigung, sich gehen zu lassen und schlecht zu benehmen. Doch wertschätzend und höflich miteinander umzugehen lohnt sich, denn gute Beziehungen zu anderen Menschen und gerade auch zu unserer Familie sind das Wertvollste, was wir haben. Achtsam und aufmerksam zu sein, Wünsche zu äußern, anstatt Vorwürfe zu machen, nichts für selbstverständlich zu nehmen, „Danke“ zu sagen, zuzuhören, aufeinander zu zugehen, um Unterstützung zu bitten – damit gelingt ein liebevoller Umgang auch in Krisenzeiten. Übrigens auch nach Corona sollte dies beibehalten werden. Dann kann man von sich sagen, die Pandemie als Chance für ein dauerhaftes Beziehungs- und Familienglück genutzt zu haben. Was innerhalb der Familie gilt, hat natürlich auch im Umgang mit Kolleg:innen, Mitarbeiter:innen, Vorgesetzten und Kund:innen Gültigkeit.

Um Kritik wertschätzend zu äußern sollte man daher das „WWW-Prinzip“ anwenden: Wahrnehmung („Mein Eindruck ist, dass …“), Wirkung („Für mich bedeutet das…“, „Ich empfinde dabei …“) und Wunsch („Ich wünsche mir …“, „Ich schlage vor, dass …“). Gerade ICH-Botschaften sind ein sehr gutes Mittel zur Deeskalation.

Anerkennung ist für alle ein zentrales Bedürfnis. Nur der, dem Wertschätzung entgegengebracht wird, kann wirklich glücklich sein, lautet die Erkenntnis aus der psychologischen Forschung. Und gerade dies wünschen sich laut neuesten Umfragen Mitarbeiter: innen am meisten von ihren Führungskräften. Wertschätzung schenkt einem Selbstwertgefühl, was wiederum positive Energie gibt, um gerade Krisenzeiten mit einer optimistischen Grundhaltung zu überstehen. Das müssen nicht unbedingt große Komplimente sein, sondern es genügt oftmals schon das Gefühl, gesehen zu werden. Das kann ein freundlicher Blick sein, ein Lächeln, ein Dankeschön, das von Herzen kommt, eine verständnisvolle Bemerkung, eine Aufmunterung oder auch eine nette Kleinigkeit.

Wertschätzung darf allerdings keine Einbahnstraße sein, denn die positive Wirkung fällt ja auf uns selbst zurück. Daher sollten wir selber damit beginnen, uns wertschätzend zu verhalten, anstatt auf die anderen zu warten. Ein ehrlich gemeintes Lächeln oder ein kleines Lob können den Tag erhellen. Hier gibt es keinen Grund für Sparsamkeit! Auch die sogenannten „Zauberwörter“ des guten Benehmens wie „Bitte“ und „Danke“ kann man nicht oft genug sagen. Und bereits durch das Ansprechen des Gegenübers mit seinem Namen und einem freundlichen Lächeln zeigt man Interesse, Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Besonders jetzt, in diesen herausfordernden Zeiten, ist es wichtig, andere anzuerkennen und zu stärken, wo immer es möglich ist, egal ob Familienmitglieder, Freunde, Bekannte, Kolleg:innen etc. Dabei kommt definitiv nur Gutes heraus!

Redaktion: Kristin Koschani-Bongers;Imme Vogelsang, iv-imagetraining

Etikette Trainer International
ETI ist ein Zusammenschluss von internationalen Etikette Trainern, die gesellschaftliche Entwicklungen diskutieren, mit traditionellen Formen vergleichen und gegebenenfalls neue Standards setzen. Diese Empfehlungen werden in Seminaren, Pressegesprächen und Veröffentlichungen transportiert. Alle Mitglieder haben eine qualifizierte Ausbildung im Bereich Umgangsformen, Hotellerie, Gastronomie oder Protokoll und bilden sich ständig weiter. Dieses Netzwerk von Spezialisten steht für Aktualität, Kompetenz und Qualität.