Warum Geschäftsessen so wichtig sind

Zwei Meter Abstand halten und gemeinsam mit Geschäftspartnern essen, das lässt sich nicht gut machen. Daher müssen seit Monaten Essenstermine verschoben werden und Meetings finden per Videokonferenz statt. Arbeitsessen sind jedoch ein ganz wesentlicher Teil unserer Geschäftskultur und tragen dazu bei, dass sich Menschen, die miteinander Geschäfte machen, besser kennenlernen.

Gemeinsame Essen bieten die Gelegenheit, mehr über die Personen, die Werte, das Unternehmen, die Kultur und die Interessen der anderen zu erfahren. In der deutschsprachigen Kultur ist es übrigens immer noch üblich und sinnvoll, erst nach dem Hauptgang über das Geschäft zu reden. Bis dahin ist Small Talk gefragt, denn schon Walter Matthau hat erkannt: „Für ein gutes Tischgespräch kommt es nicht so sehr darauf an, was sich auf dem Tisch, sondern was sich auf den Stühlen befindet“.

Hier zeigen sich gut vorbereitete Gastgeberinnen und Gastgeber. Denn wer mit seinen Gästen interessante Tischgespräche führen kann, stärkt und vertieft vor allem die persönliche Beziehung. Und das unterstützt jede Verhandlung. Die Gäste fühlen sich wertgeschätzt, genießen das Essen und die angenehme Atmosphäre – beste Voraussetzungen für gute Geschäfte. Auch im Englischen gibt es auch den Spruch: „good meal – good deal“.

Doch es gibt noch andere Gründe, warum gemeinsame Essen so wichtig sind. Studien belegen, dass Gesprächspartner, die während ihrer Verhandlungen auch gemeinsam essen gingen, signifikant höhere Erfolge erzielten als diejenigen, die nicht zusammen aßen. Denn Menschen führen beim Essen dieselben Bewegungen aus. Diese unbewusste Spiegelung des jeweils anderen verursacht offenbar positive Gefühle – sowohl gegenüber der anderen Partei als auch gegenüber den zur Diskussion stehenden Verhandlungspunkten. Eine andere Untersuchung geht sogar noch weiter: Die Kooperationsbereitschaft steigt besonders dann, wenn Menschen ein Gericht von demselben Teller essen. Das dürfte in den nächsten Monaten allerdings eher nicht empfehlenswert sein…

Aber durch Homeoffice, Videokonferenzen und Social Distancing fehlt uns allen dieser Teil der Unternehmenskultur. Der „Work-Change“ erlaubt seit Monaten schon keine Team-Meetings, Kunden-Events und After-Work-Drinks. Somit fehlt der persönliche Kontakt zu Kollegen und Kunden. Selbst kochen, Take-away und Lieferservice gehören jetzt zum Alltag. Aber der Mensch ist ein soziales Wesen und insofern sind inzwischen viele dazu übergegangen, sich auch nach Feierabend noch per Videokonferenz bei einem Glas Wein „privat“ mit Kollegen oder Geschäftspartnern auszutauschen.

Vermutlich wollen wir nicht alles zurückhaben aus der Zeit vor Corona, doch der Wert des gemeinsamen Essens mit Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, wird uns bewusster werden. Und möglicherweise werden wir es wieder schätzen, die Rolle der Gastgebenden zu übernehmen.

Redaktion: Maria Th. Radinger,Guter Stil und Etikette in Tourismus, Hotellerie & Wirtschaft; Imme Vogelsang, iv-imagetraining

Etikette Trainer International
ETI ist ein Zusammenschluss von internationalen Etikette Trainern, die gesellschaftliche Entwicklungen diskutieren, mit traditionellen Formen vergleichen und gegebenenfalls neue Standards setzen. Diese Empfehlungen werden in Seminaren, Pressegesprächen und Veröffentlichungen transportiert. Alle Mitglieder haben eine qualifizierte Ausbildung im Bereich Umgangsformen, Hotellerie, Gastronomie oder Protokoll und bilden sich ständig weiter. Dieses Netzwerk von Spezialisten steht für Aktualität, Kompetenz und Qualität.